Eine historische Kreuzeryacht restaurieren und segeln.


Die Restaurierung

Im Februar 2025 begannen wir, uns Stella anzunehmen. Tatkräftig unterstützt werden wir dabei von vielen engagierten Menschen, unseren Familien und Freunden, sowie dem Freundeskreis Klassische Yachten in Deutschland und unserem Bootsbauer Fredrik Lundahl vor Ort in Schweden. Die Entscheidung zu einer tiefgreifenden Restaurierung trafen entgegen der Einschätzung eines unabhängigen Gutachters und vieler anderer Leute, denen ich das Projekt vorstellte. „Stella“ war ja bisher jede Saison gesegelt, vielleicht müsste die Außenhaut neu lackiert, vielleicht auch das Deck an einigen Stellen neu abgedichtet werden, aber sie sei ein grundsolides Schiff und sollte im Sommer auf jeden Fall wieder ins Wasser kommen – so zumindest die vorherrschende Meinung



Dass Stella jedoch dringend mehr als einen neuen Anstrich Antifouling brauchte, war seit Juni 2024 unsere Überzeugung. Da wir zumindest einen originalgetreuen Innenraum rekonstruieren wollten, entfernten wir zunächst das alte Sperrholz – Interieur. Beim Ausbau des alten Innenraums aus den sechziger Jahren wurde unser ursprünglicher Verdacht bestätigt. Der pragmatische Innenausbau sollte möglichst vielen jugendlichen Trainees Platz bieten, vernachlässigte jedoch die strukturellen Notwendigkeiten des Rumpfes nahezu vollständig und verdeckte außerdem weitere Schadenspunkte. So war keines der ursprünglichen Schotten erhalten, fast alle neu verbauten Schotten waren weder an Spanten noch an Decksbalken befestigt und gestatteten dem Rumpf dadurch deutlich zu viel Flexibilität in der Längsachse. Dadurch entstandene Lecks im Deck sorgten für zahlreiche Korrosionsprobleme unter Deck, vor allem an den strukturell wichtigen Stahlbauteilen des 15 Meter langen Kompositbaus.


Es erschien uns nach dem vollständigen Rückbau des Innenraums und der Freilegung der Beplankung 2025 sinnvoll, erneut ein Schadensgutachten zu erstellen – diesmal aber in Zusammenarbeit mit unserem erfahrenen Holzbootsbauer. Doch viele Schäden waren zu diesem Zeitpunkt ohnehin offensichtlich geworden: Deck und Kajütdach waren Leck, einige Planken „gestückelt“, andere durch die Korrosionsprobleme in Mitleidenschaft gezogen, nahezu alle Spanten gebrochen, der haltbare Oertz’sche Schmiedestahl der Bodenwrangen teilweise gekappt und in den 1960er-Jahren durch mittlerweile oft schon stark korrodierte Neubauten ersetzt.



Im Optimalfall streben wir an, die gebrochenen Spanten und korrodierten Bodenwrangen, sowie die zu stark beschädigten Planken und das Deck entsprechend der originalen Bauweise zu ersetzen. Das bedeutet: für die Hauptspanten müssen mehrere Kubikmeter Krummholz gesägt und eingepasst, neue Eschen-Nebenspanten eingebogen, neue Stahlbodenwrangen geschmiedet und verzinkt werden. Neue Longleaf-Pine für die Planken scheint im Moment schwer zu bekommen, womöglich muss auf schwedische Lärche ausgewichen werden. Ziel ist jedoch, einen seefesten, originalgetreuen Rumpf bei der Erhaltung von möglichst viel denkmalwerter Substanz zu erreichen, der für die nächsten Schritte eine solide Basis bietet. Aufgrund der physikalischen Eigenschaften des Holzes müssen wir dieses Ziel zügig erreichen, um nicht noch mehr Substanz zu riskieren.


Aufbauend auf dem originalgetreuen Rumpf soll „Stellas“ ursprünglicher Charakter als schnelle Kreuzeryacht wiederhergestellt werden: einerseits soll der obenstehende Einrichtungsplan, den Max Oertz für sie gezeichnet und bei den beiden anderen 10-S.L.-Kreuzern „Rhe“ und „Mercur“ wiederholt hat, zu großen Teilen rekonstruiert werden. Die einzige Ausnahme bildet hier aus Sicherheitsgründen die Anordnung der Kocheinrichtung.

Noch wichtiger für eine Segelyacht ist jedoch ihr Rigg: der bis zuletzt genutzte, 23m lange Aluminiummast mit Bermuda-Rigg kommt hierfür nicht mehr in Frage – aus denkmalpflegerischer Sicht wie auch aus Sicherheitsgründen. Wir wollen uns stattdessen an dem von Max Oertz 1905/06 für „Stella“ gezeichneten Yawl-Rigg orientieren, um die nachhaltige Nutzung der Yacht als seegehendes Museumsschiff gewährleisten zu können.

Für all diese Arbeiten investieren wir einen Großteil unseres (sehr begrenzten) Privatvermögens und unzählige Arbeitsstunden, um die Kosten der Arbeit so niedrig wie möglich zu halten und eine Verbindung zum historischen Handwerk des Holzbootsbaues aufzubauen.

Wir möchten die Restaurierung und Erhaltung eines derart wichtigen Kulturdenkmals für die maritime Geschichte in Deutschland und im gesamten Ostseeraum jedoch nicht von diesem eingeschränkten wirtschaftlichen Spielraum abhängig machen, sondern „Stella“ als historische Kreuzeryacht der deutschen und europäischen Öffentlichkeit zugänglich machen. Für den Erhalt einer der ältesten klassischen Yachten der Ostsee freuen wir uns deshalb sehr über eure Unterstützung


Hier könnt ihr den Forschritt live verfolgen!